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Freitag, 8. November 2013

Möbel für die Ewigkeit

Interview mit Rudi Merz


Rudi Merz, Eco-Design Preisverleihung.
Bild: Habitare.
Rudi Merz ist ein Schweizer Schreiner, der mit Nikari eng zusammenarbeitet und bereits seit über 40 Jahre in Finnland lebt. Er gestaltet individuelle Möbel in Handarbeit und legt grossen Wert auf natürliche Materialien und ökologische Herstellung.

Was hat dich so lange in Finnland gehalten und vermisst du deine Heimat die Schweiz?

Ich habe Familie hier und Finnland ist ein Land mit vielen Möglichkeiten, die ich sehr schätze. Als ich in den 60er Jahren hierher kam, hatte Finnland den Ruf ein armes Land zu sein. Zu meiner Überraschung stellte ich aber fest, dass die Realität nicht diesen Statistiken entsprach. Die Menschen hatten ein schönes, ausgeglichenes Leben mit langen Ferien und fast jeder konnte sich ein eigenes Haus leisten. Finnland hat darüber hinaus ein sehr gutes Gesundheitssystem, die Lebenshaltungskosten sind günstiger als in der Schweiz, so dass man hier ein gutes Leben führen kann. Ich bin einmal im Jahr in der Schweiz, so dass ich nicht allzu grosses Heimweh bekomme.

Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede siehst du zwischen den
Finnen und den Schweizern?

Sowohl die Schweizer als auch Finnen haben einen engen Bezug zur Natur und haben sich mit schwierigen Naturbedingungen auseinander setzen müssen. Beide schätzen gute Qualität und Natürlichkeit. Was Design betrifft, haben die Schweizer jedoch nicht so einen starken Bezug zum Design wie die Finnen, die meisten wissen nicht mal, dass Le Corbussier ein Schweizer war. Finnen haben eine starke, emotionale Bindung zum Design, was darauf zurückzuführen ist, dass in der Nachkriegszeit die ganze Nation hinter modernem Design stand.

Heute ist Finnland aus meiner Sicht in einer ähnlichen Lage wie die Schweiz in den 60er Jahren. Das Land war wohlhabend und den Leuten ging es sehr gut, aber es fehlte an Motivation. So entstand beispielsweise die Uhrenindustrie, die in erster Line von den Einwanderern gegründet wurde. Sie waren oft motivierter und mussten mehr arbeiten als es nach Landessitten üblich war. Nun sind die Finnen in einer ganz ähnlichen Situation, ihre Interessen haben sich geändert und die Menschen ruhen sich auf dem vergangenen Erfolg Finnlands aus. Sie kaufen Dinge, wie grosse, schöne Autos, aber investieren nicht mehr genug in ihre Zukunft. Aus meiner Sicht sollten die Menschen wieder stärker ihren Kopf benutzen, wie die Ausländer heute in Finnland, und mehr leisten als das Notwendige, um erfolgreich zu sein. Wenn es um neue Technologien oder Gesetzänderungen geht, sind die Finnen sehr offen und schnell, manchmal vielleicht fast etwas zu offen und zu schnell. Sie beteiligen sich nicht an den Diskussionen und zeigen oft überhaupt kein Interesse an diesen Themen. Die Schweizer sind hier anders und gehen kritischer mit diesen Themen um und diskutieren viel mehr.

RML1 Lounge Sessel von Nikari.


Du und Nikari stellt sehr hochwertige Produkte her, die entsprechend viel Geld kosten. Sind diese finnischen Produkte denn exportfähig und sind Kunden bereit das Geld für teure Designmöbel auszugeben?

Ja, ich denke schon. Ich bzw. wir bei Nikari können es uns leisten viel Zeit und gutes Material in die Produkte zu investieren. Mir persönlich ist Ökologie sehr wichtig, d.h. dass die Produkte aus wertvollen Materialien sind und in guten Verhältnissen hergestellt werden. Ich bin kein Fan von Massenfertigung. Wenn man heute Geschäfte beobachtet, egal wo auf der Welt, findet man immer wieder die gleichen Produkte. Wir bei Nikari wollen anders sein und individuelle Produkte anfertigen, die die Zeit überdauern. Ich glaube, dass Menschen bereit sind mehr Geld für Qualitätsware auszugeben, wenn sie wissen, dass sie ökologisch in fairen Verhältnissen hergestellt sind und eine gute Qualität besitzen.

Die Schweizer Vitra übernahm vor kurzem den finnischen Möbelhersteller Artek. Wie siehst du das?

Vitra ist sicher ein guter Partner für Artek und ich finde es eine gute Sache. Artek wird dadurch ‚kultivierter’ (zitiert nach Finnlands Kunstkritiker Kaj Kalin).

Wie haben Ikea und andere Billighersteller die skandinavische Möbelindustrie beeinflusst?

Der Ruf von Ikea ist wesentlich besser als die Macher, aber nachlassend. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sensationell,  basiert aber rücksichtslos auf Kosten der billigen Arbeitskräften und Einkaufspreise. Deshalb wird mehr versprochen als tatsächlich eingehalten wird. Aus meiner Sicht muss deshalb mehr Bewusstsein bei der Bevölkerung geschaffen werden, um solche Aktivitäten einzustellen.

Wie siehst du die Zukunft des finnischen und skandinavischen Designs?

Die alten Zeiten sind vorbei, das muss man akzeptieren. Man kann sich nicht mehr auf den Erfolgen der 50er und 60er Jahre ausruhen. Nach dem Krieg wollte man schöne einfache Dinge günstig fürs Volk herstellen, aber in den 70er wollten arme Leute keine einfachen Sachen mehr, sondern prachtvolles Barock bzw. verschnörkeltes Design, das fürstlich und glanzvoll schien. Heute funktioniert das erst recht nicht mehr. Früher waren finnische Marken wie Marimekko weltbekannt und sorgten für Furore als sie beispielsweise bei uns im Dorf auftauchten. Inzwischen haben sie aber ihren Glanz verloren und lassen sich nicht mehr so vermarkten wie früher.

Es gibt aber aktuell ein Paar tolle Designer in Finnland, die sehr gute Arbeit leisten und die ich sehr schätze. Einer davon ist Harri Koskinen sowie das Designerduo Aamu Song und Johan Olin. Sie versuchen erst gar nicht etwas Neues oder Besonderes zu schaffen, das es eh schon gibt. Vielmehr konzentrieren sie sich auf simple und notwendige Dinge, die individuell und schön sind und halten oder wiederbeleben die finnische Handwerkskunst beziehungsweise was davon noch übrig ist. Ausserdem machen eben das, was ihnen Spass macht. Design ist heute kein nationales Interesse mehr, sondern bewegt sich nur noch in kleinen Kreisen. Daher wäre es wichtig für junge Designer ins Ausland zu gehen und zu sehen, wie die Sachen dort gemacht werden und nicht zu erwarten bis die Leute hierher kommen. Man muss andere Sachen sehen und hierzu viel Zeit im Ausland verbringen, so wie das auch die grossen Namen wie Kukkapuro und Aalto gemacht haben.

Was inspiriert dich und was schätzt du am meisten an deiner Arbeit? 

In den 80er Jahren hatte ich meine Experimentier-Phase, aber inzwischen mache ich, was mir gefällt, eher individuelle Möbel. Wenn man nach Trends designt und eine bestimmte Farbe pro Saison verwenden muss, die es dann überall gibt, braucht es ja keine Designer mehr. Ich muss nicht mehr das tun, was andere mir sagen oder etwas Neues und Modernes erfinden. Mich treibt vielmehr mein Anspruch immer bessere Möbel zu machen. Ich bin sehr kritisch und nie zufrieden mit dem Status Quo. Ein von mir gemachter Stuhl soll ein Leben lang halten.

Anfangs habe auch ich Fehler gemacht und wenn ein Stuhl nach 30 Jahren einen Riss bekommt oder aus dem Leim geht, repariere ich ihn umsonst. Meine neuen Produkte, die häufig in den öffentlichen Einrichtungen unter starkem Gebrauch stehen, halten ewig, das weiss ich, weil ich alles selbst mache. Alles in Ruhe und ohne Eile. Das Material muss richtig ausgetrocknet sein, was einige Monate dauern kann. Es lohnt sich aber auf etwas Gutes zu warten, auch wenn die meisten Konsumenten das nicht würdigen. Es gibt aber zunehmend mehr Kunden, die Interesse und Ansehen für Handarbeit haben. 

Ausserdem liegt mir die Ökologie am Herzen, wie ich schon erwähnt habe. Der Designer sollte sich für sein Produkt verantwortlich fühlen und dies bei der Produktentwicklung berücksichtigen und so unnötige Lagerungen, Transportwege, usw. vermeiden. Ich bin wieder für mein Engagement mit dem diesjährigen Habitare EcoDesign-Preis ausgezeichnet worden, wie schon letztes Jahr. Schreiner werden nicht grosszügig für ihre Arbeit belohnt wie zum Beispiel Verkaufsmitarbeiter, aber es gibt gute Schreiner aus Überzeugung. In der Zusammenarbeit ist es wichtig, dass der Schreiner und der Verkäufer das gleiche Verständnis haben.

Wer oder wessen Arbeit hat dich und deine Arbeit am meisten beeinflusst? 
Ich habe fast 10 Jahre bei Yrjö Kukkapuro gelernt und gearbeitet. Er war mein Ziehvater. Er und die Gespräche mit ihm haben mich stark beeinflusst und ich habe viel von ihm gelernt. Wir konnten immer diskutieren und ich konnte auch anderer Meinung sein. Beispielsweise mache ich gerne traditionelle Produkte, wogegen es für Kukkapuro immer moderne sein mussten.

RMT3 Stuhl von Nikari.


RMJ Hocker von Nikari.

Bilder: Nikari

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Designer Harri Koskinen

Interview mit Harri Koskinen


Harri -Koskinen ist wohl der berühmteste finnische Designer der Gegenwart, zu dessen Kunden u.a. Alessi, Artek, Cassina, Danese, Design -House Stockholm, Iittala, Issey Miyake, Magis, Marimekko, Muuto, Venini, etc. gehören. Der sympatische Designer hat sich trotz der vielen Termine während der Helsinki Design Week Zeit für das Gespräch mit mir genommen.
Lumieres d'Issey / Parfums Issey Miyake. Design von Harri Koskinen.
Sofa bed / Harri Koskinen Works.

An welchem Projekt arbeitest du gerade?
Ich arbeite an vielen verschiedenen Projekten. Einerseits versuche ich so viel Zeit wie möglich in meiner eigenen Firma ‚Friends of Industry’, zu verbringen, wo ich 3 Mitarbeiter und einen Praktikant beschäftige. Danaben habe ich einige neue Projekte im Bereich Industriedesign u.a. mit Genelec, mit denen ich seit 1999 zusammen arbeite. Für Abloy und Oras habe ich soeben einige Produktupdates gemacht und die Zusammenarbeit mit Artek wird weiter geführt. Bei Iittala, dessen Chefdesigner ich bin und darüber hinaus  in einer beratenden Rolle unterstütze stehen einige neue Projekte an. Die Zusammenarbeit schliesst natürlich einige andere Partnerschaften aus, aber nicht destotrotz führe ich Gespräche mit einigen internationalen Firmen, die aber noch nicht konkret sind. Weiterhin gibt es Projekte im Bereich Industriedesign, die nicht an Endverbraucher adressiert sind und wo mein Name nicht erkenntlich wird.
Welches deiner Projekte war bisher am interessantesten?
Die lange Zusammenarbeit mit Genelec hat mir persönlich viel gebracht und ich habe dabei viel gelernt. Ebenfalls ist die Zusammenarbeit mit Iittala eine sehr dankbare Aufgabe durch die Consulting Rolle.
Du bist ein vielseitiger Designer und deine Produkte decken ein breites Spektrum an Designprodukten von Möbeln, Geschirr, Lampen, Lautsprechern, Parfümflaschen und vielem mehr ab. Hast du ein Produkt oder Projekt, das du noch nicht entworfen hast, das du gerne noch entwerfen möchtest?
Es gibt viele, aber das hängt nicht vom Kunden oder von meinen Wünschen ab. Bei der Gestaltung geht es vielmehr um das Ganze. Die Arbeit in diesem Bereich ist lohnend und gibt mir persönlich viel. Ich träume nicht davon ein spezielles Produkt zu entwerfen, sondern mich reizt das Ganze, nämlich neue Technologien  auszutesten, Entwicklungen mitzugestalten sowie die Möglichkeit die Welt zu verändern und etwas Sinnvolles zu tun.
Und wie siehst du neue Technologien wie 3D Drucken und deren Einfluss aufs zukünftige Design?
Das 3D Drucken sehe ich als Werkzeug wie Computer, die die Arbeit erleichtern. Ich selbst beschäftige mich nicht damit. Aber es wird viele Vorteile bringen, von denen auch Konsumenten profitieren. Ich glaube aber, dass es noch eine Weile dauert bis die Technologie die Masse erreicht und jeder ein 3D-Drucker zu Hause hat. Bis dahin wird es eine Spielwiese sein. Aber in anderen Industrien, wie zum Beispiel in der Medizin hat man damit schon viele gute Entwicklungen gemacht.
Was inspiriert dich an deiner Arbeit?
Ich hole meine Inspirationen aus vielen Quellen, habe aber keine klassischen Inspirationsraster. Beispielsweise inspiriert mich neue Menschen zu treffen und mit ihnen über neue Themen und Ideen zu diskutieren. Inspirationen können aus meiner Freizeit kommen, aber ich fahre nicht an gewisse Orte wie Lappland, um mich dort inspirieren zu lassen, sondern weil ich gerne dort bin.
Was schätzt du an deiner Arbeit am meisten?
Ich mag die Ganzheitlichkeit an meiner Arbeit und dass ich die Möglichkeit hatte mit vielen verschiedenen Menschen aus diversen Branchen zu arbeiten.
Was ist deine Einstellung zum Design und wann wusstest du, dass du Designer werden möchtest?
Das hatte ich nicht geplant. Im Gymnasium hatte ich noch keine konkreten Vorstellungen, was ich werden wollte. Mich haben handwerkliche Arbeiten und bildende Künste interessiert und das Lahti Design Institut hat diese Interessen vereint, weshalb ich mich entschieden habe dort zu studieren. Vor dem Studium wusste ich einiges über Architektur, aber noch nicht was Design ist.
Was ist dein Stil bzw. wie wohnst du?
Ich bin praktisch veranlagt und mag es einfach. Meine Ästhetik basiert nicht auf kommerziellen Themen, die man aus den Zeitschriften kennt. Trends beispielsweise interessieren mich nicht, aber ich kenne und verstehe sie und ihre Zyklen und weiss, dass sie Marketingzwecken dienen.
Die Idee von einem traditionellen, finnischen Flickenteppich beispielsweise reizt mich. Sie sind ästhetisch und schön bzw. habe ich diesen Anspruch an die Teppiche. Sie werden aus wiederverwertbaren Materialien hergestellt, sind praktisch, weich und langlebendig.
Was denkst du über den Verkauf von Artek an Vitra und wie siehst du die Zukunft des finnischen Designs?
Dies ist ein Teil der aktuellen Entwicklungen. Heute zum Beispiel hat Oras, nordischer Branchenführer von Sanitärarmaturen die deutsche Hansa gekauft. Also es geht in beide Richtung. Die Artek Übernahme durch Vitra finde ich eine gute Sache für beide. Man wird sehen, was die Zusammenarbeit in der Praxis bedeutet und wie sich entwickelt. Jedenfalls Artek ist eine starke Marke und Vitra kann auch von den Erfahrungen von Artek in Skandinavien und Japan profitieren.
Hast du ein Designstück auf das du nicht verzichten möchtest?
Nein, nichts Konkretes. Ich kaufe generell wenig ein und möchte nur ungern Sachen wegwerfen. Vielleicht kann man sie wieder woanders verwenden.
Hast du ein Designprodukt, das du noch nicht besitzt und unbedingt haben möchtest?
Wie schon gesagt, bin ich ein praktisch veranlagter Mensch und auch kritisch, was Sachen angeht. Ich habe kein einzelnes Produkt, das ich unbedingt haben möchte, aber aktuell benötige ich zum Beispiel eine neue Küche.
Der Mensch ist aber nie zufrieden, er sucht immer was Besseres, das Alte reicht nicht, er will immer mehr. Das trifft insbesondere für die Produkte der Konsumeelektronik, wie Smartphones oder Hifi-Geräte, zu. Man entwickelt nicht nur Produkte, die immer schneller und besser sind, sondern auch Bedürfnissen gerecht werden. Beispielweise Soundsysteme werden immer besser, qualitativ hochwertiger und langlebendiger, aber trotzdem wollen die Menschen immer wieder das Neue haben. Egal wie gut das Produkt ist, die Funktionalität des Produktes hängt vom Nutzer ab und wo das Produkt schliesslich genutzt wird, aber darauf haben Designer und Hersteller keinen Einfluss.



Iittala Lantern von Harri Koskinen.

Moderner Stabelstuhl und Tisch aus Holz von Harri Koskinen für Nextmaruni.
Fat Tray von Harri Koskinen / Alessi.





123dl Gläser von Harri Koskinen/ Alessi.

Asteroide Pendant 
von Harri Koskinen / Venini.


6000 A tragbare Lautsprecher, Design von Harri Koskinen / Genelec.


HK Lounge Kollektion von Harri Koskinen / Artek.


Samstag, 7. September 2013

Vitra kauft Artek

Erst Nokia, jetzt Artek

Artek in NYIGF, New York in 2013.
Bild: Artek.
Innerhalb nur einer Woche wird ein zweites finnisches Traditionsunternehmen nach Nokia an ein ausländisches Unternehmen verkauft. Das sollte uns Finnen nachdenklich machen. Ich möchte ein wenig Selbstkritik üben, obwohl ich stolz bin eine Finnin zu sein, muss man diese Entwicklungen ernst nehmen. Den Kauf von Artek durch Vitra sehe ich jedoch sehr positiv, denn mit Vitra hat Artek gute Chancen zu wachsen, vor allem im Ausland. Finnen sind bekanntlich nicht besonders stark im Marketing. Viele finnische Unternehmen wollen nicht einmal ins Ausland expandieren. Ausserhalb Finnlands kennen nur wenige Menschen oder eingefleischte Kenner den berühmtesten (bisher) finnischen Hersteller Artek, der von der Designerikone Alvar Aalto und seiner Frau Aaino Aalto 1935 gegründet wurde.  


Artek in Mailand 2013.
Bild: Artek.
Artek in Maison & Objet, Paris 2013.
Bild: Artek

Gehört jetzt auch zur finnischen Vergangenheit, Nokia.
Bild: Nokia Pressebild.

Wir waren ganz schön stolz auf diese beiden Firmen, denn sie sind Teil unserer Geschichte mit der wir gross geworden sind. 60 Prozent der Artek Umsätze kommen aus Finnland, was bedeutet, dass in sehr vielen finnischen Haushalten Artek Produkte zu finden sind. Auch hatte früher fast jeder Finne ein Nokia Handy und danach die Welt. Die Zeiten haben sich aber geändert. Das zeigt einfach, dass man seiner Sache nie sicher sein kann oder nie annehmen darf, dass alles bleibt wie es ist. Schon gar nicht als kleine Nation wie Finnland. Ich lebe schon länger im Ausland als in Finnland und sehe vieles mit anderen Augen. Ich musste leider schon oft feststellen, dass manche in Finnland die Lage aus einer recht subjektiven Perspektive betrachten und nicht erkennen, wie klein und unbedeutend Finnland in unserer globalen Welt tatsächlich ist. Nichts desto Trotz, haben wir es schon einmal gezeigt, auch damals in einer Krisensituationen, dass wir als kleines Land in der Lage sind Grosses und Bedeutendes auf die Beine zu stellen. Und im Bereich Design und  Möbel hat Finnland vieles zu bieten. Hinter vielen internationalen Designprodukten, alt oder neu, steht oft ein finnischer Designer, wie beispielsweise Eero Saarinen, Eero Aarnio, Harri Koskien, Mika Tolvanen, usw. 

Erst diese Woche hatte ich gelesen, dass Finnland erneut an der dritten Stelle im globalen Wettebewerbsranking The Global Competitiveness Index 2013–2014 steht. Wie lange wir dies noch halten können ist allerdings die Frage? Oder müssen wir erst nach hinten fallen, bevor der Wille wieder da ist etwas Neues und Einzigartiges zu kreieren und dies auch in Finnland zu halten? Aber mit der Unterstützung der Schweizer Vitra wird nordisches  Design wohl ein Comeback erleben, so zumindest Vitra und Artek in ihrer Pressemitteilung. 


Ein schönes Wochende!